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Bei diesen zwei Rundreisen besuchen wir den Osten des Landes. Natürlich
hätten wir auch die Anden und die Los LLanos einbeziehen können.
Dann würden wir zwar sehr viel sehen, aber alles nur oberflächlich
streifen. Deswegen habe ich mich innerhalb von diesem kurzen Zeitraum,
den Sie zur Verfügung haben, für den Osten entschieden.
Zum einen das Delta mit seinen Warao-Eingeborenen, die teilweise
noch so leben wie zu Zeiten von Columbus und Humboldt. Das andere
Gebiet ist die Gran Sabana mit seinem Nationalpark Canaima (das
fünftgrößte der Erde) einzigartig in der
Welt.
Unsrer Meinung nach muß man, wenn man nach Venezuela reist,
diese zwei Gebiete auf jeden Fall gesehen haben. Die Anden sind
auch in Peru sehr schön mit ihrer Inka-Kultur.
Nähere Beschreibung der Gebiete, die wir bereisen, findet
Ihr auch in der Beschreibung von Orinoco Delta und Guyana-Gran Sabana.
Nach dieser Rundreise organisieren wir gerne noch ein Hotel an
der Küste oder auf Isla Margarita oder auf los Roques. Als
kleines Bonbon haben wir hier noch einen Teil aus der Schöpfungsgeschichte
der Permones.
Ein Teil aus der Schöpfungsgeschichte der Urbewohner der Gran
Sabana haben wir dem Sprachforschungen von Marc de Civieoux zu verdanken.
Die Makiritare ist eine der drei Untergruppen der Pemoneseingeborenen,
die die Gran Sabanna besiedeln. Aller Glaube der Makiritare wurzelt
in der Geschichte der alten Menschen, die als himmlische Vorfahren
der So'to der wahren Menschen gelten. So'to nennen sich die Makiritare
selbst. Er offenbart uns einen faszinierende, hochkomplexe Schöpfungsgeschichte
und Kosmologie der So'to, der wahren Menschen. Sie erzählt
auch die Entstehung des Marahuakatepuis, wie aller anderen Tepuis.
Die alten Menschen zu Beginn der Zeit waren arm und hatten nichts
zu essen. Sie besaßen keine Felder. Und Bäume, deren
Früchte sie hätten ernten können, gab es noch nicht
auf Erden auch kein Wasser.
In der höchsten Region des Himmels, dem Sitz Wanadis, dem Verwalter
des Lichts, lebte auch Iamankave, die Verwalterin aller Nahrung.
Sie sandte regelmäßig einen Boten
mit Armen voll Cassava-Brot zu den Hungernden hinab. Iyako, die
24-Stunden-Ameise, kam ebenfalls auf die Erde und bescherte Trinkwasser.
Doch dann kam Odosha, der Teuflische, und brachte alles durcheinander.
Er überzog die Welt mit Unglück und Krankheit. Nun blieb
der Bote mit dem Cassava-Brot aus. Ebenso die Ameise, die das Wasser
spendete. Hunger und Durst breiteten sich aus.
Eines Tages sagte ein Mann namens Darice: Ich kenne den Weg der
Ameise. Ich gehe, um Wasser zu holen. Er verwandelte sich zu einem
Mauersegler und flog empor. Er wurde kleiner und kleiner, bis er
schließlich in den Wolken verschwand. Doch dann kehrte er
zurück, mit
Wasser. Er hatte es im höchsten Himmel aus dem Akuena-See gestohlen.
Dann sagte ein anderer: Ich weiß, woher das Cassava-Brot kommt.
Er verwandelte sich zu Kuchi, jenes nachtaktive, baumbewohnende
Klettertier mit riesigen Augen und einem langen aufgerollten Greifschwanz.
Kuchi kletterte zum Himmel empor, höher und höher, bis
er nicht mehr zu sehen war.
Schließlich erreichte der Iamankaves Haus, an deren Tür
ein großer Korb mit Mehl hing. Im Garten, hinter einem hohen
Zaun sah er einen riesigen Baum voller herrlicher Früchte.
Aber erst einmal versteckte er sich. Ein Junge namens Wedama kam
aus dem Haus. Es war Iamankaves Sohn. Kuchi rief ihn leise zu sich
und erzählte ihm, daß er Nahrung für die notleidenden
Menschen holen wolle. Wedama erklärte sich zur Hilfe bereit.
Er verwandelte sich zu einer Schwalbe und flog hinauf in den Baum.
Kuchi sprang über den Zaun und kletterte am Stamm empor. An
den Ästen hingen allerlei Früchte. Der Baum war
die Mutter aller Nahrungspflanzen. Als Kuchi zu essen begann, hörten
das die Wespen die den Baum bewachten in ihrem Nest. Sie kamen heraus
und riefen: Jemand ist hier, um Nahrung zu stehlen!
Iamankava eilte herbei, die Nahrungsverwalterin, um nach dem Rechten
zu sehen. Die Schwalbe versteckte sich zwischen den Blättern.
Kuchi floh, so schnell er konnte. Dabei geriet ihm ein Splitter
vom Holz des Baumes unter einen Zehennagel. Kuchi kletterte zur
Erde hinab. Dort verwandelte er sich wieder in einen Mann. Er setzte
sich hin, sprach nichts und tat nichts; er dachte nur nach. Als
die Nacht
anbrach, zog er den Splitter unter dem Nagel hervor und pflanzte
ihn in die Erde. Das war weit von seiner Heimat entfernt an einem
Ort namens Roraima.
Über Nacht begann aus dem Splitter ein Baum zu wachsen. Am
Morgen war ein hoher Baum mit vielen Ästen und allen verschiedenen
Früchten daran gewachsen. Kuchi sagte: Es ist getan,
der Baum der Nahrung ist auf die Erde gebracht. Und er begann
zu essen.
Der erste Baum auf Erden hieß nach dem Ort, an dem er gepflanzt
war: Roraima.
Heute erscheint er als ein hoher Berg, doch an ihm wachsen noch
immer viele wilde Früchte, die aus dem großen Baum hervorgingen.
Ein Mann namens Kamaso, fern im Westen, hörte von diesem Baum,
und er sandte eine Botin zu Kuchi, um ihn um einen Ableger zu bitten.
Kuchi willigte ein. Als die Botin mit dem Sproß zurückkehrte,
versammelten sich viele Menschen.
Kamaso sang die ganze Nacht und träumte von den Früchten,
die Kuchi geerntet hatte. Doch bei Sonnenaufgang war nur ein kleiner
Schößling mit drei Blättern entstanden. Der Boden
war nicht gut. Enttäuscht und hungrig zogen all die Menschen
wieder fort.
Eine Frau namens Madunawe nahm sich nun des Schößlings
an und pflanzte ihn
im Lande Tromaachoka in gute schwarze Erde. Als der Tag zurückkehrte,
war ein gewaltiger Baum gewachsen. Sie nannten ihn Marahuaka. Aus
seinen Ästen sprossen immer neue Zweige. Jeder war anders als
der , aus dem er gewachsen war, und ebenso seine Früchte. Bald
überdecken die Äste die Blätter und die Früchte
von Marahuaka die ganze Erde wie ein Dach. Hier haben seither alle
Pflanzen und alle Früchte, die es gibt ihren Ursprung.
Die Menschen waren hungrig, mager und krank. Jetzt riefen sie:
Marahuaka!Unser Essen ist gekommen! Sie breiteten ihre
Arme aus, öffneten
ihre Münder. Sie blickten zu all den Früchten hoch unter
dem Himmel empor. Wie sollten sie an die Nahrung gelangen? Ein Ast,
voll mit Cucurito-Früchten, brach unter seiner Last und fiel
herab. Die Menschen riefen: Jetzt kommt unser Essen!
Doch der Ast erschlug einen kleinen Jungen. Dann kam ein weiterer
Ast herunter, voll von Pijiguao-Früchten. Die
Menschen riefen wieder: Jetzt kommt unser Essen!Als
er zu Boden stürzte, traf er die Nase von Odoma, dem Wildschwein.
Bis heute haben die Schweine deshalb ihre eingedrückten Nasen.
Dann fielen immer mehr Äste herab, und immer mehr Menschen
wurden erschlagen. Voller Angst begannen sie zu laufen.
Doch sie wußten nicht , in welche Richtung Die ganze Erde
war von Marahuakas Krone bedeckt. Wohin sie auch flüchteten,
sie wurden von herabfallenden Ästen erschlagen. Zu dieser Zeit
kam Wanadi, der Verwalter des Lichts, auf die Erde. Er wollte wissen,
was dort vor sich ging. Die alten Menschen umringten ihn und baten
um Hilfe. Wanadi sagte: Ich werde Vögel schicken, die
euch helfen. Sie sollen Flügel haben, um zu Marahuaka hinaufzufliegen
und euch die Früchte herunterzubringen.
Am Beginn der Zeiten gab es noch keine Vögel. Wanadi steckte
Äste in den Boden. Er setzte sich davor, schüttelte seine
magische Rassel, rauchte, sang und dachte nach. Auf diese Weise
schuf er die Vögel für die Ernte. Sie flogen zu den Ästen
empor und begannen, die Früchte zu sammeln. Die alten Menschen
beobachteten sie und flochten Körbe für die Ernte. Doch
die Früchte waren zu schwer für die Vögel. Sie fielen
herab und erschlugen die Menschen wie zuvor. Das ist nicht
gut, sagte einer der Vögel. Sein Name
war Semania, und er war der Häuptling der Vögel. Wir
Vögel sind stark, laßt uns das Sammeln der Früchte
beenden und den Baum fällen. Wir werden die Erde kultivieren,
auf der Lichtung schöne Felder anlegen und sie mit den Früchten
bepflanzen.
Vier Tukane kamen herbei mit gewaltigen langen Schnäbeln, die
wie Äxte waren. Doch sie prallten ab, so hart war das Holz.
Sie konnten Marahuaka nicht fällen. Dann kamen Spechte. Sie
hackten den ganzen Tag. Nachts schliefen sie. Als die Sonne aufging,
waren die Wunden, die sie dem Baum zugefügt hatten, wieder
verheilt.
Was sollen wir tun?fragten sie. Wir können
nicht schlafen sonst
werden wir nie fertig. Semania antwortete ihnen: Wir
werden die Arbeit
aufteilen. Einige sollen hacken, andere sich ausruhen. Jetzt
hackten sie ohne Unterlaß, Tag und Nacht, tiefer und tiefer,
viele Tage lang.
Schließlich war der gewaltige Stamm zerteilt. Es ist
vollbracht, riefen die Vögel. Doch sie waren voller Angst.
In welche Richtung würde Marahuaka stürzen? In welche
Richtung sollten sie fliehen? Doch es blieb still.
Marahuaka fiel nicht. Er hing vom Himmel herab. Niemand verstand,
wie das sein konnte.
Sie riefen Kadiio, das Eichhörnchen, und beauftragten es, oben
nachzusehen, was geschehen war. Als Kadiio wieder herunterkam, berichtete
er: Die Äste sehen aus wie Wurzeln. Marahuaka war
im Himmel verwurzelt. Semania gab Kadiio eine Axt. Laufe wieder
hoch, und schlage die Wurzeln durch. Kadiio fällte Marahuaka
hoch im Himmel. Als der Baum schließlich nieder stürzte,
bebte die ganze Erde. Äste, Früchte und Samen, alles kam
herab. Es war, als ob der Himmel auf die Erde stürzte. Es war
wie das Ende der Welt. Die alten Menschen versteckten sich in Höhlen,
kauerten zusammen, schlossen ihre Augen und hatten große Angst.
Als sie wieder herauskamen, fiel Wasser auf sie herab. Sie wußten
nicht, was es sein konnte, denn es war der erste Regen auf Erden.
Er fiel vom Himmel aus Marahuakas durchschlagenen Wurzeln herab.
Aus den dicken Wurzeln stürzten Wasserfälle. Das Wasser
suchte sich seinen Weg auf der Erde. Die Flüsse wurden geboren,
der Orinoko, der Kaura, Ventuari, Kunukunuma, Kuntinama, Merevare,
Metatuni und all die anderen. Sie bewegten sich wie Schlangen über
das Land. Die Erde wurde weich von all dem Regen. Semania, der Häuptling
der Vögel, lehrte die alten Menschen nun, Felder zu bestellen.
Die Frauen sammelten die herabgestürzten Samen und steckten
sie in die Erde.
Alle Pflanzen die es heute gibt, entstanden damals. Die Erde wurde
grün. Der Wald füllte sich mit Bäumen und begann
zu blühen und auch das Feld der Menschen. Es gab zwei, die
sich nicht an der Arbeit beteiligen wollten. Sie hießen Mado
und Wachedi. Wer ist das, der hier jetzt die Befehle erteilt?fragten
sie. Wir möchten nichts zu tun haben mit diesen Leuten.
Wenn wir hungrig sind, finden wir schon Nahrung.
Die alten Menschen aber waren nun satt und glücklich. Die Männer
fällten die Bäume des Waldes und legten die Felder an.
Die Frauen bestellten sie, ernteten, backten das Cassava-Brot und
brauten Bier in ausgehöhlten Stämmen.
Sie feierten ihr erstes Erntefest. Sie aßen, tranken, sangen
und tanzten. Mado und Wachedi waren von den übrigen verstoßen
und beobachteten aus einem Versteck, wie die anderen aßen.
Sie waren hungrig, und Mado sagte: Wir essen unsere Brüder,
und er verwandelte sich zu einem menschenfressenden Jaguar. Wachedi,
der schlecht hören konnte, hatte verstanden: Wir essen
Blätter und Wurzeln. So verwandelte er sich zu einem
Tapir.
Marahuakas Stamm war beim Aufprall auf die Erde in drei Teile zerbrochen.
Sie verwandelten sich zu Stein, zu drei hohen Bergen: Marahuaka,
Huachamakari und Duida. Von ihren steilen Klippen stürzten
die Wasserfälle herab bis zum heutigen Tag. Als der große
Baum fiel, stürzte auch Kadiio herab. Seitdem lebt er verborgen
auf Duida und ist der Beherrscher des Berges. Wachedi kletterte
auf den höchsten der Berge, auf Marahuaka. Dort lebt er noch
heute. Er ist der Urvater aller Tapire. Es war gut für die
Menschen, daß er so schlecht hören konnte; deshalb gibt
es heute viele Tapire im Wald und an den Flüssen, die von den
Menschen als Nahrung gejagt werden können. Das ist die Strafe
für Wachedi, weil er nicht helfen wollte, die Felder zu bestellen.
Als die Menschen zu essen hatten, sagten die Vögel, die Wanadi
zu ihrer Hilfe geschaffen hatte: Es ist alles getan, laßt
uns nun die Erde verlassen. Sie sagten den Menschen Lebewohl
und flogen gen Himmel empor. Ihre Körper ließen sie auf
der Erde zurück für all die Vögel
von heute. Die Luft war erfüllt mit roten, gelben, grünen
und blauen Federn, ein großes Schauspiel. Nun schnellte die
Mutter des Wassers, die Schlange Huii, zum Himmel empor. Sie verlangte
geschmückt zu werden. All die Vögel bedeckten den Leib
der Schlange mit ihren Federn. So wurde sie zum Regenbogen.
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